Wissen nicht nur für Chefs

Heinz Tischler (rechts) zeigt Christian Mitter, an welchem „e-teaching“-Seminar er teilnimmt. Foto: Igler

INTERVIEW: Christian Mitter und Heinz Tischler haben ein Projekt entwickelt. Im Gespräch verraten sie, wie es funktioniert.

Kronach — Am 7. März geht es los. Dann startet ein Weiterbildungsseminar unter dem Titel „ChefzuBi“. Was sich dahinter verbirgt, verraten Christian Mitter vom Bund der Selbständigen und Heinz Tischler, Leiter der Volkshochschule, die das Projekt auf die Beine gestellt haben.

Was bedeutet ChefzuBi?
Christian Mitter: ChefzuBi steht für das Projekt „Chef zur Bildung“. Es geht um soziale Netzwerke wie Facebook, Xing und Co und wie man diese für sich beziehungsweise sein Unternehmen effizient und erfolgreich nutzen kann.

Ist ChefzuBi nur für Chefs oder wer kann alles daran teilnehmen?
Heinz Tischler: Nein, es ist für Leistungsträger, Vorgesetzte – kurz: alle, die in einem Unternehmen Verantwortung tragen.
Christian Mitter: Es dürfen auch nicht nur Mitglieder des Bundes der Selbständigen teilnehmen, es ist offen für jeden.

Wie und warum entstand dieses Programm?
Mitter: In den vergangenen sechs, sieben Jahren entstand der Kontakt zur Volkshochschule. Wir vom Bund der Selbständigen haben für uns das Schwerpunktthema Aus- und Weiterbildung festgelegt, 2007 und 2008 dazu auch Seminare für Unternehmen durchgeführt. Wir wussten, dass wir aufeinander aufbauen können – gerade, was die Weiterbildung angeht, da es dazu keine Programme von Seiten des Bundes gibt.
Tischler: Bildung wird immer auf Schule und Hochschule reduziert, die persönliche und berufliche Fort- und Weiterbildung kommt zu kurz.
Mitter: In großenUnternehmen werden eigene Programme und Anreize geschaffen. Aber die kleinen und mittelständischen sollen auch die Chance bekommen, wie die großen Unternehmen an solcheThemen herangeführt zu werden. So entstand die Idee, dass wir kleinen und mittelständischen Betriebe uns einfach sozusagen zu einem großen Unternehmen zusammentun und uns gemeinsam fortbilden.

Der Schwerpunkt liegt zunächst auf Kommunikation/Neue Medien. Was könnten weitere Inhalte sein? In welchen Bereichen müssen sich Führungspersonen noch weiterbilden?
Tischler: Das Projekt lässt sich weiter entwickeln. Im zweiten Halbjahr können wir uns vorstellen, die betriebsinterne Kommunikation anzugehen.
Mitter: Es sind alle Themen möglich, die für kleine und mittelständische Betriebe anstehen. Man muss dann nur entscheiden, in welcher Form man sie umsetzen will.

Kostet es einen Chef nicht besondere Überwindung, sich noch weiterzubilden? Warum lernt auch ein Chef nie aus?
Tischler: Für Chefs ist es am Allerwichtigsten. Wer soll einen Betrieb schließlich in die Zukunft führen, wenn der Chef selbst nicht bereit ist, in die Zukunft zu denken?
Mitter: Ich gebe zu, vor 15 Jahren habe ich auch noch anders gedacht als heute. Damals, nach meinem Studium, hat mir jemand gesagt, dass die Haltbarkeit meines Wissens fünf Jahre beträgt. Schon ein Jahr nach meinem zweiten Staatsexamen habe ich nebenberuflich meine sechs monatige Fachanwalts-Ausbildung gemacht. Die Notwendigkeit, sichweiterzubilden, habe ich dann nochmal gemerkt, als ich selbst zum Arbeitgeber geworden bin.
Tischler: Es ist eigentlich eher eineFrage der Motivation als der der Überwindung. Woher kommt die Motivation? Ist sie intrinsisch, also aus eigenem Antrieb heraus, oder extrinsisch, nicht aus eigenem Antrieb? Wenn man sich aus einem Leidensdruck heraus für eine Weiterbildung entscheidet, ist es  fast zu spät.

Wie läuft dieses Seminar genau ab?
Mitter: In einem Präsenzseminar am 7. März geben wir einen Überblick, wie man soziale Medien für sich und sein Unternehmen nutzen kann. Eine Vertiefung der Themen erfolgt dann in den anschließenden drei „Webinaren“, an denen man vom Computer von zu Hause aus teilnimmt. Zusätzlich kann man per EMail Fragen und Anregungen dem Referenten mitteilen. Diese werden dann wiederum in den „Webinaren“ behandelt.

Wo entwickeln Sie beide sich noch weiter?
Tischler: Ich nehme ab April wieder an einem zwölfwöchigen Online-Kurs von e-teaching.org teil, der sich mit digitalem Lernen beschäftigt. Diesmal geht es speziell um sogenannte „open educational resources“, also um öffentlich zugängliche, freie Lern- und Lehrmaterialien und was rechtlich dabei zu beachten ist.
Mitter: Ich komme gerade von einer Fortbildung im Bereich Medizinrecht. Da gilt es dran zu bleiben, da ich damit in meiner Rechtsanwaltskanzlei immer mehr zu tun habe.

Die Fragen stellte Corinna Igler
Quelle: Fränkischer Tag Kronach vom 25.02.2013 - Text und Bild Corinna Igler

20.06.2013

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